| Neunkirchen |
Seite 1 von 3
1. Die Stadt Neunkirchen/Saar
Durch ihre zentrale Lage im Saar-Lor-Lux-Raum ist die Stadt infrastrukturell begünstigt. Sowohl die Verkehrsanbindung an die Bundesautobahnen und Bundesstraßen als auch das Schienennetz, sowie die Busverbindungen (Nahverkehrsbusse und Regionalbusse) sind optimal. Die Flughäfen Saarbrücken-Ensheim und Zweibrücken sind in weniger als einer halben Stunde erreichbar. Das Wirtschaftsgefüge hat sich im Laufe eines Strukturwandels von der Montanindustrie hin zum Einkaufs-, Gewerbe-, Industrie- und Dienstleistungszentrum verändert. Das Gebiet um die Innenstadt herum dient bis auf einige öffentliche Einrichtungen und kleinere Industriebetrieben am Westrand hauptsächlich der Wohnnutzung. Neben den Arbeitervierteln mit traditioneller Blockstruktur gibt es auch ehemals gehobene Wohnviertel mit Jugendstilvillen, welche zum Teil unter Denkmalschutz stehen.
2. Geschichte In den letzten 30 Jahren hat sich das Gesicht Neunkirchens gewandelt. 1982 wurde nach krisenbedingter, wechselhafter Schwerindustriegeschichte die Neunkircher Hütte geschlossen. Die mitten in der Stadt gelegenen kompakten Werksanlagen blieben nicht lange unberührt. 1984 wurden bis auf symbolträchtige Denkmäler wie den Wasserturm oder die Gebläsehalle die Anlagen abgerissen. Die Stadt sah sich vor der Notwendigkeit ein Restrukturierungsprogramm zu starten, um die Auswirkungen der Stilllegung des Hüttenwerks zu entschärfen. Es mussten neue Arbeitsplätze geschafft werden, außerdem sollte die Innenstadt erneuert und erweitert werden.[2] Das Konzept des Stadtrates beinhaltete folgendes: „Die Schaffung eines Maximums an Ersatzarbeitsplätzen, eine markt- und bedarfsorientierte Erschließung von Industrie- und Gewerbeflächen, die städtebauliche Erneuerung und Erweiterung der Innenstadt als Handels- und Dienstleistungszentrum".[3] Insgesamt wurden 93 ha Industriebrache revitalisiert und rekultiviert. 1987 konnte die ECE Projektmanagement GmbH & Co KG als Großinvestor gewonnen werden um die große Lücke in der Stadt mit dem Einkaufszentrum „Saarpark-Center" aufzufüllen. Nach zweijähriger Bauzeit wurde 1989 die Eröffnung gefeiert. In den folgenden Jahren wurde der Hüttenpark als Naherholungsgebiet angelegt und der Wasserturm als Freizeit- und Kulturzentrum umgebaut. Die Neunkircher Innenstadt bekam eine neue Struktur mit Fußgängerzone und dem Stummplatz als großen Marktplatz.[4]
3. Das Saarpark-Center 1989 wurde das Saarpark-Center von der ECE in 1A Innenstadtlage auf der Konversionsfläche des alten Hüttengeländers eröffnet. Mit einer Fläche von 26.000m ² und etwa 70 Geschäften, das größte Einkaufszentrum im Saarland. 1999 wurde das Center auf eine Fläche von 34.000 m ² vergrößert, etwa 50 Geschäfte kamen hinzu. Insgesamt bietet das Saarpark-Center einen Branchenmix mit über 120 Geschäften.[5] Die bauliche Grundstruktur ist durch eine zweigeschossige Skelettbauweise gekennzeichnet. Das Einkaufszentrum trägt die typische ECE- Fassadenverkleidung. Es handelt sich um einen geschlossenen Baukörper mit vielen Ausgängen zu allen Seiten (Sternsystem). Bei 75% der Geschäfte handelt es sich um die typischen Filialen im mittleren Preissegment vorwiegend Mode und Textilien, sowie um die üblichen Systemgastronomieangeboten, die restlichen 25 % stellen individuelle, inhabergeführte Läden, Leerstände gibt es zur Zeit keine. Als Ankermieter gilt der das SB-Warenhaus real, dieses wird Ende März 2009 schließen. Nachmieter für die großzügige Verkaufsfläche sind noch keine bekannt.[6] Eine Besonderheit ist die Glasbrücke zwischen dem Saarpark-Center und dem benachbarten Kaufhof. Der Kaufhof ist völlig autonom. Auf Wunsch des Kaufhofes wurde die Brücke an das Center angebaut. Das Saarpark - Center pflegt eine partnerschaftliche und konstruktive Geschäftsbeziehung zum Kaufhof.[7] Laut Betreiber beläuft sich die durchschnittliche Besucherzahl auf ca. 30.000 pro Tag. In Spitzenzeiten können knapp über 90.000 Besucher erreicht werden. Dies ist insbesondere im Weihnachtsgeschäft oder an Late-Night-Shopping Veranstaltungen der Fall. Das Besucheraufkommen eines Jahres beträgt ca. 10 Mio. Knapp 75 % davon sind Stammkunden, die mindestens einmal in 14 Tagen einkaufen, knapp 80 % davon kommen mit dem Auto. Aufzeichnungen über das Einzugsgebiet (EZG) sind vielseitig und zahlreich. Die Betreiber untersuchen und analysieren regelmäßig das gesamte EZG und reagieren auf gravierende Veränderungen wie z.B. die Expansion der Discounter oder die demographische Entwicklung, oder auch die steigende Mobilität der Menschen etc. Aus den gewonnenen Kenntnissen und Erfahrungen werden dann Marketingstrategien entwickelt. Das EZG ist in vier Bereiche nach Fahrminuten differenziert: EZG I bis EZG IV. EZG I = 5 Fahrminuten zum Center. EZG IV = bis zu 45 Fahrminuten. Alles darüber hinaus wird als das erweiterte EZG bezeichnet. Im 45 Minuten Bereich wohnen ca. 1.200.000 Menschen, die theoretisch erreicht werden können.[8] Das Saarpark-Center ist durch seine hervorragende Verkehrsanbindung schnell und bequem zu erreichen. Mit drei integrierten Parkhäusern und einen von der Stadt gepachteten Parkplatz verfügt das Center insgesamt über 2.400 Parkplätze.
4. Die Innenstadt Die Innenstadt wird mit einer Fläche von 10,7 km² ausgewiesen. Die Fußgängerzone besteht aus Pasteuer- und Stummstraße, dem Stummplatz sowie der Bliespromenade. Das Blieszentrum wurde 1979 an der Bliespromenade eröffnet. Eine Erweiterung erfährt die Fußgängerzone durch die Hüttenbergstraße und die Bahnhofstraße und Teile der Lindenallee. (vgl. Abbildung 1) Die Stadt prognostizierte durch die Eröffnung des Saarpark-Centers einen Mehrwert für den restlichen Einzelhandel der Innenstadt. Das Center würde als Besuchermagnet dienen wovon auch der alteingesessene Einzelhandel inklusive dem Blieszentrum und der Gastronomie profitieren würden.
Abbildung 1: Übersichtskarte der Innenstadt[9]
In der Realität sollte sich dies allerdings als Trugschluss herausstellen, gleichwohl das Saarpark-Center tägliche tausende Menschen anzieht. In der Regel verlassen diese jedoch nicht das Einkaufszentrum um die restliche Fußgängerzone zu besuchen, zum Übel der dort ansässigen Einzelhändler. Dies hat zur Folge, dass die die Einzelhändler unter erschwerten Bedingungen bestehen müssen. Viele Geschäfte mussten bereits schließen. Trotz extrem geringer Mietpreise 8-10€ in 1a-Lage (Ärztehaus in unmittelbarer Nähe zum Saarpark-Center), 5- 6 € in 1b- Lage (Stummstraße, Pasteurstraße, Bliespromenade) und 3,5 - 4€ (Hüttenbergstraße, Bahnhofstraße), werden kaum Nachmieter für die leerstehenden Ladenlokale gefunden.[10] Es ergibt sich eine erhöhte Leerstandsproblematik. Dies betrifft auch großflächige Verkaufsflächen (vgl. u. a. City Polster, Stummstraße). Von den 227 Ladenlokalen, die im oben genannten Gebiet gezählt wurden stehen zurzeit 54 Stück (24%) leer. Von den 173 genutzten Ladenlokalen sind 120 Stück (69%) individuelle Geschäfte und 53 Stück (31%) Filialen.[11] In der Fußgängerzone ist eine Mischnutzung als Nutzungsstruktur zu erkennen. In fast jedem Erdgeschoss eines Gebäudes befindet sich ein Ladenlokal, darüber befinden sich meist Wohnungen aber auch Praxen oder Büros. In der Einzelhandelsstruktur überwiegen die Dienstleistungen, die Mehrzahl davon sind Versicherungsfilialen, Bankfilialen und Friseure. Es folgt die Gastronomie auf dem zweiten Rang mit hauptsächlich (Eis-) Cafes, Kneipen, Schnellimbissbuden, anspruchsvollere Angebote sind rar. An dritter Stelle kommen Mode und Textilgeschäfte. Speziell hier ist eine starke Divergenz zu erkennen, entweder handelt es sich um kleine feine Boutiquen oder vermehrt um Anbieter billiger Importwaren. Generell ist die Qualität des Angebotes eher als gering einzuschätzen, was die Aufgabe Anreizen zu schaffen um die Saarpark Centerbesucher herauszulocken nicht vereinfacht.
5. Fazit Zweifelsohne gilt das Saarpark-Center als Bereicherung für die Stadt Neunkirchen. Jedoch müssen die Konsequenzen für die restliche Innenstadt, speziell für den Einzelhandel kritisch betrachtet werden. Das Saarpark-Center ist eine autarke Einheit, sein Sortiment wirkt eher ersetzend als ergänzend. Es müssen neue Anreize geschaffen werden um die zahlreichen Besucher des Centers raus in die Stadt zu locken. Dabei muss zunächst die Verödung der Innenstadt gestoppt werden und die Leerstandsproblematik unter Kontrolle gebracht werden. In einem zweiten Schritt sollte das aktuelle Angebotniveau gesteigert werden. Vor dieser großen Aufgabe sieht sich die Citymanagerin von Neunkirchen, Carolin Eckle. Sie wurde Anfang des Jahres eingestellt um das Problem anzupacken und Einzelhandel in Neunkirchen zu stärken bzw. zu beleben. [1] vgl. www.Neunkrichen.de, 2009 [2] OB der Stadt Neunkirchen, 2005 [3] OB der Stadt Neunkirchen, 2001 [4] OB der Stadt Neunkirchen, 2005 [5] www.saarparkcenter.de, 2009 [6] Saarbrücker Zeitung, 15.01.09 [7] MICARELLI, 2009 [8] MICARELLI, 2009 [9] http://maps.google.de, 2009 [10] Buchmann Immobilien GmbH, Neunkirchen, 2009 [11] Eigene Erhebung, 2009
|